MeshqLab
Musik als performative Praxis und textueller Erfahrungsraum
Musik ist mehr als Klang. Sie ist Praxis, Erinnerung, Verkörperung, soziale Erfahrung und religiöser Ausdruck. Musik begleitet religiöse Traditionen nicht bloß als dekorative Untermalung, sondern fungiert als Medium von Gemeinschaft, Ritual, Emotion und Wissensweitergabe. Durch Singen, Musizieren, Rezitieren, Hören, Bewegen und gemeinschaftlichen Vollzug werden religiöse Traditionen körperlich, emotional und sozial erfahrbar.
Genau hier setzt MeshqLab an. MeshqLab ist kein Chor im klassischen Sinne. Mit ihm soll ein gemeinsamer Raum entstehen, in dem musikalische Praxis, textwissenschaftliche Reflexion und religionsbezogene Forschung miteinander verbunden werden.
Was ist MeshqLab?
MeshqLab verbindet bewusst zwei Konzepte:
Meşk (مَشْق) bezeichnet eine traditionelle Form des Lernens durch gemeinsames Praktizieren, Zuhören, Wiederholen und unmittelbare Weitergabe von Wissen. Lernen geschieht hier nicht isoliert, sondern gemeinschaftlich — durch Begegnung, gemeinsame Praxis und Erfahrung. Die anglisierte Schreibform versteckt zugleich ein kleines Wortspiel: „mesh" ist ein Netzwerk von Fäden, das gesponnen wird, um zu verbinden.
Lab verweist auf einen offenen Denk-, Arbeits- und Begegnungsraum: einen Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven zur Sprache kommen, Wissen gemeinsam erarbeitet wird und musikalische Praxis mit wissenschaftlicher Reflexion in Dialog tritt.
Wir möchten gemeinsam musizieren, zuhören, diskutieren, analysieren und lernen. Musik soll dabei als performative Praxis, als Text, als soziale Handlung und als Medium religiöser Erfahrung verstanden werden.
Was uns interessiert
Im MeshqLab interessieren uns musikalische Traditionen muslimischer Geschichte ebenso wie religiöse Musik- und Klangpraktiken verschiedener Religionen und Epochen. Wir beschäftigen uns mit religiösen Ritualen, performativen Traditionen, musikalischen Überlieferungen, Liedern, Poesie, Rezitationen und liturgischen Formen ebenso wie mit ihren sozialen, historischen und kulturellen Kontexten.
Dabei verstehen wir Musik nicht nur als Gegenstand wissenschaftlicher Analyse, sondern auch als Praxis. Religiöse Musik wird gesungen, rezitiert, performt, gehört, gefühlt und gemeinsam erlebt. Sie kann Gemeinschaft erzeugen, Emotionen vermitteln, Transzendenzerfahrungen strukturieren und Texte erst im Vollzug zu lebendigen Erfahrungsräumen werden lassen. Aus diesem Grund möchten wir Musik gemeinsam praktizieren und zugleich aus textwissenschaftlichen, religionsgeschichtlichen, theologischen, hermeneutischen und kulturwissenschaftlichen Perspektiven reflektieren.
Organisation und Anmeldung
MeshqLab richtet sich an alle Interessierten. Musikalische Vorerfahrungen sind nicht erforderlich. Entscheidend sind Interesse, Neugier und die Freude daran, gemeinsam neue Perspektiven auf Musik, Religion und kulturelle Praxis zu entwickeln.
Die Wissenschaftliche Leitung liegt bei Aziz Erol und Zeynep Sevgi Eriş. MeshqLab findet zweiwöchentlich freitags in Präsenz statt, alternierend mit dem Lektürekreis TextLab Islam — Hermeneutik. Eine Sitzung dauert in der Regel von 14:30 bis 17:00 Uhr.
Veranstaltungsort: Institut für Islamisch-Theologische Studien, Schenkenstraße 8—10, 1010 Wien, EG 003.
Wer Interesse hat, ist herzlich eingeladen vorbeizukommen. Rückfragen können an Aziz Erol (aziz.erol(at)univie.ac.at) oder Zeynep Sevgi Eriş (a62106446(at)unet.univie.ac.at) an die wissenschaftliche Leitung der Professur, Prof. Dr. Tuğrul Kurt (tugrul.kurt(at)univie.ac.at), gerichtet werden.