FilmLab
Vergleichende Filmlektüren und Auslegungskulturen
FilmLab ist eine Arbeitsgruppe innerhalb von TextLab Islam am Institut für Islamisch-Theologische Studien (IITS) der Universität Wien. Die Arbeitsgruppe geht von der Annahme aus, dass Filme nicht nur als ästhetische Produkte, sondern auch als interpretierbare Texte zu verstehen sind — als Texte, in denen menschliche Erfahrungen, gesellschaftliche Strukturen, ethische Fragestellungen, religiöse Vorstellungen und kulturelle Bedeutungswelten sichtbar werden.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Filme verstanden, interpretiert und wissenschaftlich erschlossen werden können. Filmische Erzählungen berühren grundlegende Themen wie Bedeutung, Repräsentation, Erinnerung, Identität, Ethik, Autorität, gesellschaftliche Ordnung, Religion, Moderne, Tradition und die existentielle Erfahrung des Menschen. Filme bilden daher nicht nur innerhalb der Filmwissenschaft, sondern auch innerhalb der Philosophie, Theologie, Religionswissenschaft, Geschichte, Soziologie, Anthropologie und Kulturwissenschaften wichtige Gegenstände wissenschaftlicher Auseinandersetzung.
Komparativer und interdisziplinärer Ansatz
Ausgangspunkt von FilmLab ist die Überzeugung, dass unterschiedliche Auslegungstraditionen und theoretische Zugänge sich in der Erschließung von Filmen wechselseitig ergänzen können. Hermeneutik, Filmtheorie, Visual Culture Studies, Kritische Theorie, Religion-und-Film-Studien, Cultural Studies, Erzähltheorie sowie verschiedene sozialwissenschaftliche Zugänge werden dabei nicht als isolierte Disziplinen, sondern als Perspektiven verstanden, die zum Verständnis der vielschichtigen Natur des Films beitragen.
Die Arbeitsgruppe verfolgt einen komparativen und interdisziplinären Ansatz. Ziel ist es, unterschiedliche Auslegungskulturen und theoretische Traditionen in einem gemeinsamen Diskussionsrahmen zusammenzubringen, vielfältige Modi der Filmlektüre sichtbar zu machen und deren Beiträge zum Verständnis von Mensch, Gesellschaft und Kultur kritisch zu prüfen. Film wird damit nicht nur als Kunstwerk, sondern auch als Raum der Sinnstiftung, Interpretation und kollektiven Erinnerung adressiert.
In komparativer Perspektive werden Filme aus unterschiedlichen Kulturen und historischen Epochen gemeinsam betrachtet. Unterschiedliche Auslegungstraditionen, methodische Voraussetzungen und theoretische Rahmen werden systematisch aufeinander bezogen. Auf diese Weise erhalten die Teilnehmenden Einsicht darin, wie ein und derselbe Film aus verschiedenen disziplinären und intellektuellen Traditionen heraus interpretiert werden kann.
Interreligiöser und interkultureller Dialog
FilmLab möchte über die reine Filmanalyse hinaus zum interreligiösen und interkulturellen Dialog beitragen, indem Filme als gemeinsame Auslegungsgegenstände unterschiedlicher religiöser und kultureller Traditionen behandelt werden. Wenn Teilnehmende aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften und akademischen Hintergründen über dieselben Narrative gemeinsam ins Gespräch kommen, werden gemeinsame menschliche Erfahrungen sichtbarer und das gegenseitige Verständnis zwischen unterschiedlichen Weltanschauungen kann gestärkt werden. FilmLab ist daher nicht allein als Plattform für Filmanalyse konzipiert, sondern auch als Raum des Dialogs und der Begegnung zwischen unterschiedlichen Auslegungskulturen.
Format der Sitzungen und Beteiligung
Die Sitzungen bestehen aus dem gemeinsamen Ansehen ausgewählter Filme und einer anschließenden wissenschaftlichen Diskussion. In jeder Sitzung wird ein Film unter spezifischen theoretischen Gesichtspunkten erschlossen. Die narrative Struktur, die Figuren, die Symbole, die Bildsprache, die ethischen Fragestellungen und der gesellschaftliche Kontext des Films werden gemeinsam analysiert und diskutiert. Wo es sinnvoll ist, werden Expert:innen aus den Bereichen Filmwissenschaft, Philosophie, Theologie, Kulturwissenschaft und Sozialwissenschaft eingeladen, um die Diskussion zu vertiefen.
FilmLab versteht die Teilnehmenden nicht nur als Zuschauer:innen, sondern als aktive Mitglieder der Arbeitsgruppe. In regelmäßigen Abständen werden kuratierte Filmpools mit den Teilnehmenden geteilt; künftige Filme werden über Online-Abstimmungen ausgewählt. So wird das FilmLab-Programm nicht ausschließlich von der Leitung, sondern auch von der Community der Teilnehmenden mitgestaltet.
Zur laufenden Kommunikation zwischen den Treffen wird ein Moodle-Kurs eingerichtet, über den Begleittexte, Filmempfehlungen, Veranstaltungshinweise und Diskussionsfragen zur Verfügung gestellt werden. FilmLab entwickelt sich auf diese Weise über die Einzelveranstaltungen hinaus zu einer kontinuierlich interagierenden akademischen Lerngemeinschaft.
Organisation und Anmeldung
Geleitet wird FilmLab von Mehmet Alper Kalafat und Fatoş Kaytan.
Veranstaltungsort: Institut für Islamisch-Theologische Studien, Schenkenstraße 8—10, 1010 Wien, EG 003.
Anmeldung und Rückfragen: mehmet.alper.kalafat(at)univie.ac.at